Leitung

Leitungsfaden

Genesis 1,1–2,3 — „Gut so!“
Zeitplan auf einen Blick
10 Min.Einstieg & AnkommenFolie 1 10 Min.Historischer Kontext: Exil & Enuma ElischFolie 2–3 15 Min.Textlesung & erste BeobachtungenFolie 4–6 10 Min.Die Sieben-Tage-StrukturFolie 7 10 Min.Nur Gott schafft — baraFolie 8 15 Min.Das Ebenbild Gottes — Tselem ElohimFolie 9–10 10 Min.Der Sabbat — heilige ZeitFolie 11 10 Min.Schlüsselwörter & Brücken heuteFolie 12–13 20 Min.GruppenarbeitFolie 14 10 Min.Abschluss & GebetFolie 15 120 Min. Gesamt
Kürzere Version möglich: Abschnitt „bara“ auf Kernaussage kürzen, Ebenbild-Diskussion auf 10 Min. → ca. 95 Min.
10 Min

1 — Einstieg & Ankommen

Folie 1 — 2er-Gruppen, dann Plenum
  • Direkt in 2er-Gruppen schicken — ohne lange Einleitung
  • Ca. 2–3 Min. Gespräch in Paaren
  • Stichworte im Plenum sammeln — auf Flipchart notieren, ohne Kommentar
  • Ankündigung: „Diese Stichworte schauen wir am Ende nochmal an.“
Wir schauen heute auf den ersten Text der Bibel — und fragen: Was sagt er über Gott, über die Welt, und über uns?
10 Min

2 — Historischer Kontext: Exil & Enuma Elisch

Folien 2–3 — Kurzinput, kein Gespräch
  • Kernfakt: Genesis 1 ist während oder nach dem babylonischen Exil (587–538 v. Chr.) entstanden
  • Situation benennen: Tempel zerstört, Volk deportiert, Frage im Raum: Hat Gott verloren?
  • Kontrast mit dem babylonischen Enuma Elisch kurz zeigen (Folie 3): die vier Unterschiede andeuten, nicht alle erklären
  • Pointe: Genesis 1 ist ein theologisches Glaubensbekenntnis, kein naturwissenschaftlicher Bericht
  • Zitat Augustinus kurz einwerfen (Folie) — dann weiter
Nicht zu viel Zeit bei den historischen Details. Den Exil-Hintergrund fest einpflanzen — den Rest kann die Gruppe während der Textarbeit entdecken.
15 Min

3 — Textlesung & erste Beobachtungen

Folien 4–6 — dreifache Lesung mit Mitmach-Refrain
  • Lesung 1: Still lesen — Auftrag: den Refrain „Und Gott sah, dass es gut war“ markieren
  • Lesung 2: Du liest vor — alle sprechen den Refrain laut mit. Das schafft Gemeinschaft und macht den Rhythmus spürbar
  • Lesung 3: Zwei Personen lesen abwechselnd je einen Tagesabschnitt
  • 2 Min. stille Reflexion nach Lesung 3
  • Drei Beobachtungsfragen ins Plenum — kurz, 4–5 Min.
Was bleibt hängen? Welches Wort, welches Bild — auch wenn ihr noch nicht weißt, warum?
Den gemeinsamen Refrain in Lesung 2 nicht weglassen. Er ist eine der wirksamsten Methoden, um die Botschaft des Textes zu spüren, bevor man sie erklärt.
10 Min

4 — Die Sieben-Tage-Struktur

Folie 7 — Erklärung, kurze Frage
  • Paralleltabelle auf der Folie zeigen: Tage 1–3 schaffen Räume, Tage 4–6 füllen sie
  • Kernpointe: Das ist kein Zufallsbericht, sondern ein kunstvoll komponiertes Lehrgedicht
  • Tohu wabohu kurz erklären — Klangwort, Chaos als Ausgangsmaterial
  • Frage: Was bedeutet es, dass Gott mit Chaos anfängt? (kurze Runde, 2 Min.)
  • Den siebten Tag als Ausnahme markieren: kein Abend-Morgen-Refrain — er ist offen
Gott baut ein Haus in sieben Tagen — erst die Räume, dann die Bewohner. Der achte Tag existiert nicht — weil wir noch im siebten leben.
10 Min

5 — Nur Gott schafft — bara

Folie 8 — Sprachinfo + Gegenwartsbrücke
  • Bara an den drei Stellen zeigen: V. 1, V. 21, V. 27 (dreifach)
  • Kernaussage: bara hat im ganzen AT nur Gott als Subjekt — Menschen können es nicht
  • Brücke heute: Menschliche Kreativität ist Abbild und Teilhabe — kein Ursprung. Das „Gut so!“ beim Schaffen ist ein Echo auf Gott
  • Nicht zu lang — das Ebenbild-Thema ist wichtiger und bräuchte mehr Zeit
Wir machen etwas aus etwas. Gott schafft — der Text lässt offen, woraus. Das ist kein naturwissenschaftliches Schweigen, das ist eine theologische Aussage: alles hängt von ihm ab.
15 Min

6 — Das Ebenbild Gottes — Tselem Elohim

Folien 9–10 — Input + Diskussion
  • Tselem und demut kurz erklären — Bild/Statue und Ähnlichkeit
  • Wichtig betonen: Das Ebenbild ist keine Eigenschaft, die man verlieren kann — auch nach der Sintflut gilt Gen 9,6
  • Politische Pointe (Folie 10): Im Alten Orient war „Ebenbild“ ein Königstitel. Genesis demokratisiert ihn radikal: jeder Mensch, auch der Sklave
  • Diskussionsfrage 1: Jeder Mensch ist Ebenbild — auch derjenige, mit dem du es schwer hast. Was bedeutet das konkret?
  • Diskussionsfrage 2: Was wäre dein konkreter Auftrag als Ebenbild in deinem Alltag?
Das ist die emotional stärkste Stelle der Bibelarbeit. Zeit lassen. Stille aushalten. Die politische Dimension des Ebenbildes ist für viele überraschend — sie darf wirken.
10 Min

7 — Der Sabbat — heilige Zeit

Folie 11 — Input & kurze Frage
  • Shabbat = aufhören, innehalten — Gott hört auf, weil das Werk vollständig ist, nicht weil er erschöpft ist
  • Pointe: Der siebte Tag hat kein „Abend-Morgen“ — er ist offen, er endet nicht
  • Heschel-Zitat einwerfen: „Der Sabbat ist eine Kathedrale aus Zeit, nicht aus Raum.“
  • Frage: Hast du eine Sabbat-Struktur in deinem Leben? Was hält dich ab?
Wer nie anhält, lebt so, als wäre die Schöpfung noch nicht vollendet — als müsste er sie erst noch fertigmachen.
10 Min

8 — Schlüsselwörter & Brücken heute

Folien 12–13 — geleitete Diskussion
  • Drei Schlüsselwörter kurz vorstellen: bereshit bara Elohim — ruach Elohim — tov meod
  • 2–3 der provokanten Gegenwartsfragen einwerfen — nicht alle, lieber eine tief
  • Favorit: „Gottes Urteil über dich lautet tov meod — sehr gut. Glaubst du das?“
  • Zurück zum Kontext: Exilierte in Babylon — was bedeutete Genesis 1 für sie? Was bedeutet es für uns?
Falls Gespräch bei den Gegenwartsfragen sehr lebendig: Gruppenarbeit auf 12 Min. kürzen, aber nicht abbrechen. Das ist oft der wertvollste Moment.
20 Min

9 — Gruppenarbeit

Folie 14 — Option A (empfohlen), B oder C
  • Option A: 3er-Gruppen mit je einer Dimension des Ebenbildes (Würde / Auftrag / Beziehung)
  • Während der Gruppenarbeit: Runde machen, Zuhören ohne Eingreifen
  • Auswertung: Kurze Rückmeldung je Gruppe — auf konkrete Schritte achten
  • Stichworte auf Flipchart — als Impuls für die Tage danach
Ihr habt 15 Minuten. Dann hören wir, was ihr entdeckt und was ihr euch konkret vornehmt.
10 Min

10 — Abschluss & Gebet

Folie 15 — Zusammenführung
  • Zurück zum Flipchart vom Anfang: Woher kommt dieses „Gut so“-Gefühl? Findet ihr die Antwort jetzt?
  • Abschlussimpuls: Gottes größtes „Tov meod“ gilt dem Menschen — dir, so wie du bist
  • Gebet aufgreifen: Schöpfungssprache nutzen — Licht, Ruach, Chaos, Vollendung
  • Optional: Lied „Großer Gott, wir loben dich“ oder ein Schöpfungslied
Gott erschafft nicht, weil er muss. Er erschafft, weil er will — und was er erschafft, sieht er an und sagt: Gut so. Das gilt auch über dir.
Wenn es anders läuft als geplant