Oasentage — Bibelarbeit

Gut so!

Genesis 1,1–2,3

Dankbar leben Gemeinsam glauben

Einstieg — 2 Minuten zu zweit

Eine Frage zum Ankommen

„Wann hast du zuletzt etwas geschaffen — gebaut, gekocht, geschrieben, gezeichnet —
und danach gedacht: Das ist gut. Das bin ich zufrieden.
Was hat sich dabei angefühlt?“

→ Je 2 Minuten in 2er-Gruppen — dann Stichworte ins Plenum

Historischer Kontext — Wann und warum?

Ein Text aus dem babylonischen Exil

587–538 v. Chr.

Jerusalem zerstört. Tempel niedergebrannt. Israels Oberschicht nach Babylon deportiert. Die Frage im Raum: Hat Gott verloren?

Die theologische Antwort

In dieser Situation schreibt Israel: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Das ist kein Lehrbuch — das ist ein Glaubensbekenntnis.

Augustinus (4. Jh.):

„Man soll die Schrift nicht so verstehen, dass sie naturwissenschaftliche Tatsachen lehrt, die Christen zum Gelächter bei den Ungelährten machen würden.“

Historischer Kontext — Das babylonische Gegenmodell

Enuma Elisch vs. Genesis 1

Enuma Elisch (Babylon) Genesis 1 (Israel)
Schöpfung entsteht aus Götterkampf Schöpfung entsteht durch Gottes freies Wort
Menschen aus dem Blut des getöteten Gottes Kingu Menschen als Ebenbild Gottes
Menschen sind Sklaven der Götter Menschen sind Repräsentanten und Beauftrage
Sonne und Mond sind Götter Sonne und Mond sind Lampen — Geschöpfe

Für die Exilierten: eine Revolution der Würde

Textlesung — drei Runden

Den Text dreimal lesen

Runde 1
Still lesen — den Refrain „Und Gott sah, dass es gut war“ markieren
Runde 2
Laut vorlesen — alle sprechen den Refrain gemeinsam mit
Runde 3
Zwei Personen lesen abwechselnd je einen Tagesabschnitt

Danach: 2 Min. Stille — Was fiel dir auf? Was hörst du heute zum ersten Mal?

Genesis 1,1–13 — Hoffnung für Alle (HFA)

Tage 1–3

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Die Erde war noch wüst und leer — tohu wabohu. Finsternis lag über der Urflut, und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
3–5 Tag 1: Gott sprach: „Es werde Licht!“ … Und Gott sah, dass das Licht gut war. … der erste Tag.
6–8 Tag 2: Himmelsgewölbe … der zweite Tag.
9–13 Tag 3: Festland — Meer — Pflanzen — Bäume … Und Gott sah, dass es gut war. … der dritte Tag.
Genesis 1,14–2,3 — Hoffnung für Alle (HFA)

Tage 4–7

14–19 Tag 4: Sonne, Mond, Sterne — Lichter am Himmelsgewölbe … Und Gott sah, dass es gut war. … der vierte Tag.
20–23 Tag 5: Vögel und Fische — „Seid fruchtbar und mehrt euch!“ … Und Gott sah, dass es gut war. … der fünfte Tag.
24–31 Tag 6: „Lasst uns Menschen machen als unser Abbild!“ … Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.
2,1–3 Tag 7: … Am siebten Tag hatte Gott sein Werk beendet … Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig.
Die Struktur des Textes

Kein Bericht — ein Lehrgedicht

Tage 1–3: Räume entstehen Tage 4–6: Räume werden bevölkert
Tag 1: Licht / Finsternis Tag 4: Sonne, Mond, Sterne
Tag 2: Himmel / Wasser Tag 5: Vögel / Fische
Tag 3: Land / Meer / Pflanzen Tag 6: Tiere / Mensch

Tag 7: Kein Gegenstück — kein Abend-Morgen-Refrain — er endet nicht.
Tohu wabohu = Chaos, Leere, Formlosigkeit: Gott fängt mit Chaos an.

Schlüsselwort — V. 1, 21, 27

Nur Gott schafft — bara בָּרָא

V. 1
bara — am Anfang schuf Gott Himmel und Erde
V. 21
bara — die großen Meerestiere …
V. 27 (3×)
Gott bara den Menschen — dreifach betont

Im gesamten AT hat bara ausschließlich Gott als Subjekt.
Kein Mensch kann bara. — Unser Schaffen ist Abbild und Teilhabe, kein Ursprung.
Das „Gut so!“ beim Erschaffen — ein Echo auf den Schöpfer.

Genesis 1,26–27 — Das Ebenbild

Tselem Elohim — צֶלֶם אֱלֹהִים

1
Würde
Jeder Mensch — unabhängig von Glaube, Herkunft, Leistung
2
Auftrag
Repräsentant und Beauftragter Gottes in der Schöpfung
3
Beziehung
Auf Gott hin angelegt — nur in dieser Beziehung ganz

Tselem = Bild, Statue — demut = Ähnlichkeit.
Das Ebenbild ist keine moralische Eigenschaft, die man verlieren kann (vgl. Gen 9,6).

Historischer Kontext — Eine politische Revolution

Der Königstitel gehört jedem

Im Alten Orient

„Ebenbild des Gottes“ war ein Titel, der ausschließlich dem König gehörte. „Bild des Ra“ (Pharao), „Ebenbild des Marduk“ (Babylon).

Genesis 1

Demokratisiert diesen Titel radikal: jeder Mensch — Mann und Frau gleichermassen. Der Sklave ebenso wie der König.

Im 6. Jh. v. Chr. war das politisch hochgefährlich.

Genesis 2,1–3 — Der siebte Tag

Eine Kathedrale aus Zeit

Shabbat שָּבַת = aufhören, innehalten.
Gott ruht, weil das Werk vollendet ist — nicht weil er erschöpft ist.
Der siebte Tag hat kein Abend-Morgen. Er ist offen. Er endet nicht.

„Der Sabbat ist eine Kathedrale aus Zeit, nicht aus Raum.“

— Abraham Heschel, Der Sabbat (1951)

Gottes erstes Heiligtum ist nicht ein Ort — sondern ein Tag.

Schlüsselwörter des Textes

Drei Begriffe mit Tiefgang

V. 1 — Bereshit bara
בְּרֵאשִית — „am Anfang von“. Der Text beginnt mit dem Handeln Gottes — nicht mit Spekulationen darüber, was davor war.
V. 2 — Ruach Elohim
רוּחַ — Atem, Wind, Geist. Gottes schöpferische Kraft schwebt über dem Chaos — gegenwärtig, bereit. Aufgenommen in Joh 1.
V. 31 — Tov meod
טוֹב מְאוֹד — sehr gut. Nur nach der Erschaffung des Menschen. Gottes größtes „Gut so!“ gilt dem Menschen.
Brücken in die Gegenwart

Fragen für heute

Gruppenarbeit — 20 Minuten

Drei Optionen

Option A — Strukturiert

3er-Gruppen — je eine Dimension des Ebenbildes:
Gruppe 1: Würde
Gruppe 2: Auftrag (herrschen & hüten)
Gruppe 3: Beziehung („Lasst uns“)

Option B — Kreativ

Zeichnen oder schreiben:
Mein persönliches tohu wabohu — und was Gottes Geist darüber schweben lässt.

Option C — Persönlich

Bestandsaufnahme:
• Wie stark spüre ich Gottes tov meod?
• Wie viel Sabbat habe ich wirklich?
• Wie behandle ich Menschen als Ebenbilder?

Abschluss — Genesis 1,31

„Gott sah alles an, was er gemacht hatte —
und es war sehr gut.“

Nicht dem perfekten Menschen. Nicht dem frommen Menschen.
Dem Menschen — dir, so wie du bist.
Auch über deinem tohu wabohu.

Genesis 1,1–2,3 — Hoffnung für Alle (HFA) © 1983, 1996, 2002, 2015 Biblica, Inc.