Bibelarbeit — Johannes 1,1–18

Das Wort wird Fleisch

Der kühnste Satz der Weltgeschichte — und was er über Gott aussagt.

● ca. 110–120 Minuten ● Gruppen ab 4 Personen ● Hoffnung für Alle (HFA)

Inhalt

  1. Einstieg
  2. Historischer Kontext: Logos im griechischen Denken
  3. Der Bibeltext
  4. Im Anfang war das Wort
  5. Licht und Finsternis
  6. Das Wort wurde Fleisch — Inkarnation
  7. Gnade um Gnade
  8. Schlüsselwörter
  9. Brücken in die Gegenwart
  10. Gruppenarbeit
  11. Abschluss & Impuls
1Einstieg10 Min.

2er-Gruppen: Hat ein Mensch dich je wirklich verstanden — ohne viele Worte? Was war das für ein Gefühl?

2Historischer Kontext10 Min.
Logos im griechischen Denken

Im griechischen Denken (Heraklit, Stoa) war logos das universale Vernunftprinzip, das die Welt zusammenhält. Unpersönlich, abstrakt, unberührbar. Johannes übernimmt das Wort — und sprengt den Begriff: dieser logos ist eine Person, und er ist Fleisch geworden.

Verbindung zu Genesis 1

„Im Anfang“ — das erste Wort der Bibel (Gen 1,1). Johannes schreibt bewusst darauf an: Wie Gott am Anfang durch sein Wort schuf, so ist Jesus das schöpferische Wort Gottes, das in die Welt tritt.

3Der Bibeltext15 Min.
Dreifache Lesung
  1. Still lesen
  2. Laut und langsam — Pause nach V.5 und nach V.14
  3. Im Wechsel: A = V.1–9 (kosmisch), B = V.10–18 (persönlich)
Johannes 1,1–18 (ausgewählt, HFA)

V.1–3: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. [...] Alles ist durch ihn entstanden, und ohne ihn ist nicht eines entstanden.

V.4–5: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht überwunden.

V.11–12: Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.

V.14: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit [...] voller Gnade und Wahrheit.

V.16: Denn von seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade um Gnade.

4Im Anfang war das Wort10 Min.
Drei Aussagen über das Wort (V.1)

1. Das Wort war „im Anfang“ — es gab keine Zeit, wo es das Wort nicht gab.
2. Das Wort war „bei Gott“ — in Beziehung, nicht identisch.
3. Das Wort war „Gott“ — nicht ein zweiter Gott, sondern wesensgleich.

Das ist die dichteste theologische Aussage des NT in drei Halbversen — und sie ist nicht abstrakt, sondern personal.

5Licht und Finsternis15 Min.
V.5: Das Licht überwunden

„Die Finsternis hat es nicht überwunden.“ — Das griechische Wort katelaben kann „überwältigen“ oder „begreifen“ bedeuten. Beides ist wahr: Die Finsternis hat das Licht weder verstanden noch besiegt.

V.11: Die Ablehnung

„Die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ — Das Wort, durch das alles entstand, wurde von dem abgelehnt, was es geschaffen hat. Das ist das größte Paradox des NT.

V.12: Die Einladung

Aber: „Allen, die ihn aufnahmen [...] gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.“ Das ist nicht eine Leistung — es ist eine Adoption.

6Das Wort wurde Fleisch10 Min.
V.14 — Die kühnste Aussage

Sarx egeneto — wurde Fleisch. Nicht: trat in eine Verkleidung. Nicht: erschien als Mensch. Wurde Fleisch — vollständig, wirklich, mit Hunger, Schmerz, Erschöpfung.

Skanierte unter uns

„Wohnte unter uns“ — griechisch eskenosen: schlug sein Zelt auf. Verweis auf die Wüstenwanderung: Gott wohnte im Zelt (Stiftshütte) mitten im Volk. Jetzt wieder — in einer Person.

Diskussion: Was verändert es, wenn Gott nicht aus der Distanz sch aut, sondern selbst hineingeht?
7Gnade um Gnade10 Min.
V.16: charis anti charitos

Charis anti charitos — Gnade um Gnade, oder: Gnade anstelle von Gnade. Wie eine Welle nach der nächsten. Gottes Gnade erschöpft sich nicht — sie ersetzt sich immer wieder durch neue Gnade.

Gesetz vs. Gnade

V.17: „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Kein Widerspruch zwischen AT und NT — sondern: Das Gesetz zeigte den Standard, die Gnade erfüllt ihn.

8Schlüsselwörter10 Min.
logos (λόγος) — Wort, Vernunft, Sinn

Johannes nimmt den höchsten Begriff griechischer Philosophie — und sagt: Das ist eine Person. Das ist Jesus.

charis (χάρις) — Gnade

Geschenk, das nichts kostet — außer dem Geber. Keine Gegenleistung. Keine Bedingung. Einfach gegeben.

sarx (σάρξ) — Fleisch

Im griechischen Denken das Niedere, Vergängliche, Irdische. Genau das wurde das Wort. Gott geht in das Niedere hinein — das ist Inkarnation.

9Brücken in die Gegenwart10 Min.
  • Wenn das Wort Fleisch wurde, dann hat Gott nicht aus der Distanz geholfen — er ist hineingegangen
  • „Gnade um Gnade“ — kein Verbrauch. Jeder Tag neue Gnade
  • V.12: Kinder Gottes werden — nicht durch Leistung, sondern durch Aufnahme
  • Was bedeutet es für dich persönlich, dass Gott Mensch wurde?
  • Wo erlebst du Gottes Gnade heute konkret?
10Gruppenarbeit20 Min.
Option A — Analyse

Lest V.1–5 und V.14 zusammen. Was sind die drei kühnsten Aussagen? Warum wären diese im griechischen oder jüdischen Denken skandalös?

Option B — Kreativ

Schreibt V.14 in modernen Worten: „Das Wort wurde Fleisch“ — was bedeutet das für jemanden, der heute davon hört?

Option C — Persönlich

V.12: „Allen, die ihn aufnahmen...“ — Was bedeutet „aufnehmen“ für dich konkret? Schreib 3 Zeilen.

11Abschluss & Impuls10 Min.

„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“

Johannes 1,14

Gott ist kein Gott der Distanz. Er schug sein Zelt mitten unter uns auf. Das ist Grund für Dankbarkeit.